Der Rosenberg und das Meer

Wer auf die Landkarte blickt wird wohl zunächst nicht so ganz verstehen was der Falkensteiner Rosenberg mit dem Meer zu tun hat. Tatsächlich ist der urzeitliche Vorläufer unseres heutigen Mittelmeeres, die Thetys, aber hauptverantwortlich für die ganz speziellen Terroir-Eigenschaften, die diese Spitzenlage des Weinviertels zu etwas Besonderem machen.

Vor 17 Millionen Jahren begannen vom Wiener Becken bis zu den heutigen Karpaten alpide Aufwölbungen schrittweise das Meer zurück zu drängen. Was einst tiefer Meeresboden war aus Sand und Sedimenten, wurde als Sandstein und Flysch in Schichten komprimiert und wanderte endlos langsam aber stetig an die Oberfläche. Urzeitliche Korallenriffe wurden zu beeindruckenden Felsen aus Jurakalk. Austern und andere Muscheln, die sich im seichteren, küstennahen Bereich wohlfühlten, finden sich heute in speziellen Bodenadern mitten am Weinberg wieder.

In den meisten Regionen des Weinviertels versteckt sich dieser Meeresboden unter einer dicken Schicht von angewehtem Staub aus der Eiszeit, den wir als Lehm und Löss kennen. In wenigen Regionen ragt der alte Meeresboden aus dem sanft hügeligem Weinviertel hervor und präsentiert sich in beeindruckenden Landschaften mit von weiten sichtbaren Kalkbergen. Die Leiser Berge, die Staatzer Klippe und - an die Falkensteiner Klippen anschließend - auf tschechischer Seite die Pollauer Berge.

Die Geschichte Falkensteins als Küstenregion des mediterranen Urmeeres Thetys liegt 17 Millionen Jahre zurück und ist noch heute das prägendste Element unserer Weinlandschaft. Die Aufwölbungen des einstigen Meeresbodens mit den Klippen aus alten Korallenriffen, dem Jurakalk, bilden die unglaublich abwechslungsreiche Weinlandschaft dieses Ortes.

Ein besonderes Filetstück unter den entstandenen Weinbergen ist der Rosenberg. Seine besondere Eignung für den Weinbau ist der Auslöser der langen und bedeutenden Geschichte Falkensteins als Weinort. Der längliche Hügel in Ost-West-Richtung, bietet nicht nur hervorragende Südlagen. Der Boden ist lockerer, wärmer und gut drainagiert und brachte deshalb schon vor Jahrhunderten großartige Weine hoher Reife hervor, die nicht üppig und fett, sondern immer schön zieseliert und mit einer angenehmen kribbelnden Mineralität ausgestattet waren.

Bereits im 13. Und 14. Jahrhundert war klar, dass der Rosenberg ein besonderer Platz für den Weinbau ist. So entstand 1309 das erste und älteste Weingesetzbuch der Region, das BERGTAIDINGBÜCHL speziell für diesen Weinberg. Es liegt heute noch auf der Gemeinde auf und regelte verschiedenste Problemstellungen des Mittelalters, von der Weinlese, dem Zehent bis zum Mundraub der Trauben.

Das Santa Clara Kloster zu Wien war damals der Eigentümer und Lehens-Geber und ordnete mit diesem Schriftwerk die Regeln für den Weinbau „am Rosenperg zu Valckhenstain“, welches einem gewählten Bergmeister, seinen vier zur Seite gestellten Bergknappen und den unzähligen Winzerfamilien die dort arbeiteten, als rechtliche Grundlage diente.

Was mit dem Bergtaiding-Büchl begann, führte rasch zu einer Vormachtstellung Falkensteins in der Weinregion. Das „Falkensteiner Berggericht“ wurde vom 14. bis zum 18. Jahrhundert zur obersten Instanz in allen Weinangelegenheiten zwischen Wien und Brünn ernannt und von Südmähren bis vor den Toren Wiens erstreckte sich bald das „Weinbaugebiet Falkenstein“.

Was viele Junge Weinfreunde heute nicht mehr wissen: Bis 1986 war Falkenstein Namensgeber des größten österreichischen Weinbaugebietes! Im Zuge einer Neuordnung des österreichischen Weingesetzes entstand damals aus den Weinbaugebieten Falkenstein im Osten und Retz im Westen, das große Weinbaugebiet Weinviertel.

Was aber als Alleinstellung Falkensteins bleibt, ist die Einzigartigkeit dieses besonderen, von hügeligen Eichenwäldern geschützten Weinklimas und – der Meeresboden der auch heute noch für die besondere mineralische und animierende Art der Weine Falkensteins und ganz besonders des Rosenbergs sorgt!

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