Rosé - Gekommen um zu bleiben
Die Abschätzigkeit mit der sich viele Winzer über viele Jahrzehnte lang dem Thema Rosé genähert haben, ist hoffentlich Geschichte!
Einfache Weine aus oft mangelhaften Trauben gewonnen, wurden meist zu süßlichen Billigprodukten, die das Image einer ganzen Weinkategorie nach unten zogen. Die erste Ausnahme innerhalb Österreichs war der Schilcher. Hier haben schon ab den 1980iger Jahren viele Winzer ein positives Image und einen Regionstypus geschaffen, den man kennt.
Bis heute haben viele Weinliebhaber auf Grund der belanglosen Geschichte mitteleuropäischer Roséweine eine innere Abwehr gegen das Thema, die es zu überwinden lohnt. Heute sind Lagencharakter und gekonnter Ausbau im Kommen.
Zunächst die kurze technische Erklärung wie Rosé-Weine entstehen: Die Farbe der Edelreben steckt nur in den Schalen, das Fruchtfleisch und der Saft sind weiß und nur wenn man die Schale über zwei, drei Wochen mit dem Most mitvergärt, wird die ganze Farbe extrahiert. Wenn wir nach kurzer Standzeit der Maische pressen, wird der Most rötlich und der spätere Wein rosé.
Speziell bei weniger dickschaligen Sorten wie dem Pinot Noir, gelingt es durch rasche Pressung, so wenig Farbe mitzunehmen, dass das Endprodukt wie Weißwein aussieht – dann spricht man vom „Blanc de Noir“
Helle Rosés haben oft den eleganteren Ausdruck, satt rot gefärbte sind fruchtiger, brauchen aber oft ergänzende Restsüße um nicht kratzig zu wirken. In Ihrer Wertigkeit und dem Potential daraus faszinierende Weine auch ohne Schalengärung machen zu können, stehen edle Rotweinsorten Ihren weißen Kollegen jedenfalls um nichts nach.
In der modernen Önologie hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles am Zugang zur Weinmacherei verändert:
Hochwertige Weine aus Gärung mit der Schale gibt es heute nicht nur von blauen, sondern auch von weißen Traubensorten. Genauso haben Winzer und Konsumenten erkannt, dass man aus hochwertigen Rotweinsorten auch faszinierende Rosés, oder Blanc de Noirs, wie sich der „Weißgepresste“ auf französisch nennt, herstellen kann.
Eine der berühmtesten Regionen der Weinwelt hat sehr früh erkannt, dass der Saft edler Rotweintrauben auch hochwertige helle Weine ergeben kann: Hinter der cremigen Struktur und Eleganz bester Champagner steckt fast immer der Pinot Noir - der Blaue Burgunder wie er bei uns auch heißt. Aus der raschen Verarbeitung ganzer Trauben entsteht hier ein leichter Blanc de Noir, der in zweiter Gärung sein gewünschtes Alkoholgewicht und die gewünschte Kohlensäure aufbaut.
Was viele Konsumenten überrascht: Pinot Noir ist die meist angebaute Sorte für Champagner Grundweine, gefolgt von Pinot Meunier – die „Müllerrebe“, oder „Schwarzriesling“, wie sie auf deutsch genannt wird – und die ist ebenfalls schwarzbeerig. Erst an dritter Stelle kommt der Chardonnay, den die meisten Genießer hinter hochwertigen Champagnern vermuten. Wenn dieser übrigens die Hauptrolle in einem Wein übernimmt, bezeichnet man ihn als „Blanc de Blanc“, weil das prickelnde Vergnügen sonst hauptsächlich aus Rotwein-Trauben stammt.
Noch eine kleine Überraschung dazu:
Rosé-Champagner wird üblicher Weise nicht aus Roséweinen produziert, sondern aus weißen Cuvées die mit einem Schuss Rotwein gefärbt werden.
Die Provence – hier wird 90% der Weinproduktion dem Thema Rosé gewidmet (!) – verdankt Ihren internationalen Ruf als Weinregion ausschließlich diesem Weinthema. Die meist sehr hellen Rosés, werden aus den dortigen regionalen Sorten Grenache, Cinsault, Mourvedre oder Syrah verschnitten und mit auffällig geschmackvollen Flaschen und Etiketten auch zu optischen Meisterwerken gemacht, die oft zu sehr stolzen Preisen gehandelt werden.
Provenzalische Rosés waren auch für mich vor langer Zeit die erste Inspiration um aus heimischen Sorten Weine zu entwickeln, die Charakter und Terroir zeigen und als Speisenbegleiter eine Rolle übernehmen können. Der Ausbau auf der Hefe im Fass verleiht den Weinen Struktur und ermöglicht auch ein paar Jahre Flaschenreife.
Aber auch andere Rosé- Regionen haben Ihre Berechtigung: Der „Tavel“ vom Unterlauf der Rhone ist satt gefärbt und könnte oft schon als blasser Roter durchgehen.
Die Mallorquiner sind sehr stolz auf Ihre erdbeerfarbenen, fruchtigen Rosés und auch die Spanier machen speziell im Norden, in Navarra und Rioja immer mehr interessante Weine zu diesem Thema.
Nicht zuletzt haben auch wir hier im Weinviertel hervorragende Sorten und Voraussetzungen. Der Zweigelt, als Rote Leitsorte der Region, bringt eine schöne Säurestruktur und auch ansprechende Aromatik in den Wein. Am schönsten zu trinken sind aber meist auch bei uns die gut komponierten Cuvées.
Übrigens meinen persönlichen Beitrag zum Thema Rosé findet Ihr hier
Cheers, Christoph