Wer ist eigentlich "Ma chére Claire"?
Die Winzerstochter? Spoiler: Ich bin viel mehr!
Wenn man am Land aufwächst wird man regelmäßig mit der einen Frage konfrontiert „Zu wem g’hörstn du?“ – übersetzt aus dem Weinviertlerischen bedeutet das „Aus welcher Familie kommst du denn?“. Meine Standardantwort war dann immer „Na zum Körner Christoph!“. Das war pragmatisch und praktisch, das Gegenüber wusste Bescheid und es wurden keine weiteren Nachfragen gestellt, sondern es kam immer ein wissendes: „Ah, eine Winzerstochter, also!“.
Als Kind war das ziemlich cool, und ich war mächtig stolz darauf. In den rebellischen Teenagerjahren vielleicht nicht immer ganz so. Klar, die Arbeit vom Papa war immer noch großartig und unkonventionell, aber jetzt begannen die Fragen, ob man den Betrieb denn bald übernehmen werde. Ziemlich große Lebensentscheidungen für eine Lebensphase, in der man doch eigentlich nur raus in die Welt will und sich jede Woche für einen neuen Traumberuf begeistert. Die Übernahme eines Weinbaubetriebs, wo mein grüner Daumen doch eher braun war und Chemie das unbeliebteste Fach in der Schule, schien da eher absurd.
Hier muss ich meinen Eltern ein dickes „Dankeschön“ ausrichten – sie haben mich immer darin bestärkt meinen eigenen Weg zu gehen und nie hätten sie mich in einen Pfad gedrängt, den ich nicht selbst bestreiten wollte. So vergingen die Jahre, ich studierte Publizistik, arbeitete im Marketing und später im Projektmanagement, reiste durch verschiedenste Länder und wurde erwachsen.
Dennoch hat mich das Thema Wein nie losgelassen – wie auch als "Winzerstochter"? Ich war schon immer vinophil und konnte mich für guten Wein begeistern, hatte immer die besten Mitbringsel für Partys, fand die Arbeit im Weingarten spannend und beobachtete mit Interesse, wie mein Vater aus diesen kleinen Trauben Jahr für Jahr etwas ganz Besonderes kreierte. Nur dass ich lange nicht dachte, selbst einmal Teil davon zu sein. Oder vielleicht war genau das der Punkt: Wein war nie etwas, das ich bewusst gewählt habe. Er war einfach immer da, als Teil meiner Familie, meiner Kindheit und meiner Geschichte.
Deshalb macht es jetzt umso mehr Spaß, dass der Fuß in dieser Tür immer größer wird und ich dem Körner über die Schulter schauen darf und von ihm lernen kann. Natürlich nicht nur als seine Tochter, sondern viel mehr als die „junge Stimme“ vom Weingut. Mein Vater erklärt mir, wie der großartige Wein entsteht – ich zeige ihm, wie Millennials und Gen Z ticken, was dieses Social Media eigentlich ist, wieso wir heute ein Imagevideo drehen und weshalb Geschichten rund um den Wein genauso wichtig sind wie der Wein selbst. Natürlich gibt es hier und da generationenbedingte Übersetzungsschwierigkeiten – zum Beispiel, wenn der Körner wieder einmal einen seiner berühmt-berüchtigten Dad-Jokes vor der Kellnerin im Restaurant zum Besten gibt und ich mich vor Fremdscham am liebsten unter dem Tisch verstecken würde. Trotzdem arbeiten wir gemeinsam an unserem feinen Boutique-Weingut und erzeugen jedes Jahr grandiosen Wein. Und das macht mich stolz. Genauso stolz wie damals in meiner Kindheit, als ich voller Überzeugung sagen konnte: „Mein Papa ist Winzer!“
P.S. Der Rosé Ma chère Claire trägt nicht zufällig meinen Namen. Mein Vater hat mir diesen besonderen Wein gewidmet, weil ich so gerne die großen provenzalischen Roséweine trinke. Diese Geste berührt mich immer wieder. Vielleicht bin ich deshalb nicht ganz objektiv, wenn ich sage, dass er unbedingt probiert werden sollte und man stets einen Vorrat im Haus haben sollte 😉